Gamper Stefan, Hintnerhof Verdings
Hintnerhof in Verdings Zurück zu den Projekten

Denkmalgeschützt mit Beschluss der Landesregierung von 1982. Der sehr urtümlich wirkende Einhof wird geprägt durch sein tief nach unten gezogenes, mächtiges Schindeldach. An der Nordseite über dem Wohntrakt ist es als Walmdach ausgebildet, an der Südseite über dem Stall und Stadel besitzt das Dach einen Krüppelwalm. Südseitig gibt es noch ein angedocktes offenes Flugdach. Passend dazu sind die erneuerten Dachrinnen aus Lärchenholzstangen, kombiniert mit Schneebäumen ebenfalls in Lärchenholz. Der Hof ist längsseitig in den ansteigenden Hang gesetzt, so dass die Räume im Erdgeschoss, mit vier Kellern und dem großen Viehstall, von der Straße aus ebenerdig zugänglich sind, und gleichzeitig der Stadel im Obergeschoss bergseitig durch ein großes, hölzernes Stadeltor ohne Rampe erschlossen wird. Die ebenfalls im Obergeschoss untergebrachte Wohnung ist über eine hölzerne Freitreppe an der Südostfassade aus erschlossen, mit Holzgeländer in Imitation einer barocken Balustrade, wettergeschützt unter einem auskragenden Vordach. Durch die Eingangstür betritt man einen Erschließungsgang mit einfachem Kreuzgratgewölbe, von dem man rechts gleich in die große getäfelte Stube mit dem Bauernofen gelangt; dahinter befindet sich die Stubenkammer. Gleich anschließend ist die überwölbte Rauchküche positioniert, mit direktem Zugang zur Speisekammer im kühlen, schattigen Nordwesteck des Hauses sowie einer praktischen Durchreiche für die Speisen in die Stube. 

Von der Küche aus wird auch der in den Bauernhof integrierte Backofen bedient, der übrigens noch immer voll funktionstüchtig ist. Zum Stadel hin gibt es noch zwei Schlafräume, und bergseitig einen Zugang zum ehemaligen Fall-Abort. Der Zugang hinauf in den großen Dachboden erfolgt über eine steile Holztreppe im Stadel.Hinsichtlich der Konstruktion handelt es sich beim Hintnerhof um eine Mischbauweise mit massiven Mauern aus örtlichem Bruchstein, der mit Kalk verputzt wurde, im Bereich des Erdgeschosses sowie des Wohntraktes, kombiniert mit dem Stadel in reiner Holzständerbauweise und Lärchenverschalung.

Die Decken über dem Stall und den Kellern im Erdgeschoss sowie über den Zimmern im Obergeschoss sind Holzbalkendecken, steingemauerte Gewölbe gibt es im Erschließungsgang im Obergeschoss sowie in der urigen, russgeschwärzten Rauchküche. Zimmermannstechnisch sehr interessant ist der historische, sehr gut erhaltene Dachstuhl mit gehackten Balken. Originale Massivholztüren aus unterschiedlichen Jahrhunderten sowie einige Fenster mit alten Wintervorsatzfenstern – eine frühe Form der Wärmedämmung durch Doppelfenster, seit dem 19. Jahrhundert in Südtirol gebräuchlich – sind ebenfalls erhalten und bereichern den historischen Bauernhof, der aufgrund der wertvollen Bauelemente, sicherlich aber auch wegen des altertümlichen Erscheinungsbildes von der Landesregierung 1982 auf Antrag des Landesdenkmalamtes unter Denkmalschutz gestellt worden ist.